Interview zur Ausstellungsreihe "Kunst in der Kammer" (dt.)

Andreas Strohhammer, LENTOS Kunstmuseum Linz

Die Ausstellungsreihe „Kunst in der Kammer“ fokussiert 2009 die künstlerische Fotografie in Oberösterreich. Den Auftakt macht der 1963 in Linz geborene Norbert Artner. Er studierte an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, an der er heute als Dozent unterrichtet. Als Grafiker arbeitet Artner seit vielen Jahren für zahlenreiche Kunst- und Kulturproduktionen in Oberösterreich, wie dem Festival der Regionen, dem Ars Electronica Festival, dem OK Offenes Kulturhaus und für die aktuelle Ausstellung „Linz Blick“ im Lentos Kunstmuseum. Die Ärztekammer präsentiert ab 5. März das fotografische Schaffen Norbert Artners und bietet eine Auswahl einiger Werkgruppen und Projekte.

Fotografie lebt vom Licht. Einige ihrer Projekte sind Nachtaufnahmen oder sogar mittels Infrarot entstanden. Was reizt sie an diesen Stimmungen.

Norbert Artner: Ich fotografiere viel in der Nacht, das resultiert freilich zum Teil aus einem pragmatischen Zeitproblem meinerseits. Spannend ist hier für mich das Fotografieren an der Grenze des Machbaren. Ich verwende für diese Arbeiten die unterschiedlichsten Techniken wie Nightshot oder Infrarotfotografie. Was mich hier unter anderem interessiert ist, wie zum Beispiel die Landschaften, die unter künstlicher Beleuchtung und dem oft minimalen Licht und den dadurch bedingten langen Belichtungszeiten eine für mich andere Qualität entwickeln. Durch diese lange Belichtung und dem Ausschalten von Bewegung entstehen verlassene Orte, die vordergründig menschenleer wirken, aber auch gerade dadurch dem Betrachter die Möglichkeit bieten sie zu erkunden.

Welche Aspekte sind ihnen für ihre Arbeit wichtig, wenn sie durch das Objektiv blicken?

Norbert Artner: Eigentlich gehe ich immer zuerst von einer räumlichen Auseinandersetzung aus, bevor ich den Ausschnitt durch das Objektiv suche. Selten wird dann die Aufnahme nachträglich noch am PC beschnitten. Ein weiterer Zugang ist jener, wie bei den Arbeiten „Trophäen“. Dort habe ich vorab die die Region Salzkammergut erkundet (gemeinsam mit der Künstlerkollegin Margit Feyerer-Fleischanderl), um dann nach einem klar festgelegtem Konzept die fotografischen Aufnahmen umzusetzen.

Jedes Foto ist ein Abbild und ein Zeichen, das ganze Bündel von Assoziationen zu wecken vermag. Welche Ebenen der Empfindsamkeit und Gefühle wollen sie ansprechen?

Norbert Artner: Mich faszinieren die Vorbilder aus der Malerei. Hier versuche ich archetypische Bilder der Malerei oder kollektive Bildvorstellungen, die es in unserer Kultur gibt auch auf meine fotografischen Arbeiten zu übertragen. Das Spiel der Lichtsituationen beispielsweise in Arbeiten René Magrittes, aber auch die Stille und Sachlichkeit der Gemälde Edward Hoppers fließen in meine Arbeiten mit ein.

Sie waren gerade in Peking, wie wichtig ist für sie der Blick auf eine andere Kultur nach außen?

Norbert Artner: Ich suche nicht das Fremde oder Exotische, das eher trennt, sondernd spannend wird für mich, Gemeinsames zu entdecken. Hier finde ich vieles in ganz banalen Situationen des Alltags wieder, abseits von touristischen Plätzen. Ein wesentlicher Aspekt in einer anderen Kultur zu arbeiten ist, dein eigenen Blick neu zu schärfen. So bin ich immer wieder gezwungen, vieles erneut zu hinterfragen, was auch bedeutet, die eigene Positionierung stets neu auszuloten, zu verorten. < back